Direkt zum Hauptbereich

Die einzige Geschichte

 


Autor: Julian Barnes
Verlag: btb Verlag
Seiten: 304
Erscheinungsdatum: 14. September 2020
weitere Bücher des Autors: 
Metroland, Als sie mich noch nicht kannte, Flauberts Papagei, In die Sonne sehen, Eine Geschichte der Welt in 10 1/2 Kapiteln, Darüber reden, Das Stachelschwein, Briefe aus London, Dover – Calais, England, England, Liebe usw., Tour de France, Fein gehackt und grob gewürfelt, Der Zitronentisch, Arthur & George, Nichts, was man fürchten müsste, Vom Ende einer Geschichte, Unbefugtes Betreten, Am Fenster, Lebensstufen, Kunst sehen, Der Lärm der Zeit, Die einzige Geschichte, Der Mann im roten Rock


Klappentext


Die erste Liebe hat lebenslange Konsequenzen, aber davon hat Paul im Alter von neunzehn keine Ahnung. Mit neunzehn ist er stolz, dass seine Liebe zur verheirateten, fast dreißig Jahre älteren Susan den gesellschaftlichen Konventionen ins Gesicht spuckt. Er ist ganz sicher, in Susan die Frau fürs Leben gefunden zu haben, alles andere ist nebensächlich. Erst mit zunehmendem Alter wird Paul klar, dass die Anforderungen, die diese Liebe an ihn stellt, größer sind, als er es jemals für möglich gehalten hätte.

Meine Meinung


Zur Buchgestaltung
Allein die Buchgestaltung hat mich bei "Die einzige Geschichte" aufmerksam werden lassen. Sie ist ganz reduziert, aber mir gefällt sie trotzdem sehr. Der Titel, der zwei Mal darauf steht einmal rot, einmal schwarz, einmal handgeschrieben, einmal mit Computer und durchgestrichen. Das alles auf Weiß und mit grauen Schlieren, wo die schwarze Schrift verlaufen sein soll. Das Cover hat so insgesamt etwas Besonderes, obwohl es so reduziert ist.

Zum Buch
Auch der Inhalt hörte sich interessant an. Der junge Mann, gerade erst erwachsen geworden, der eine Beziehung mit einer deutlich älteren und dann auch noch verheirateten Frau eingeht. Alles ein wenig literarischer. Ich war neugierig auf diese Geschichte und hatte dann auch das Glück, sie über das Bloggerportal zu erhalten.
Allerdings, das muss ich gleich vorneweg sagen, hat sie mich sehr enttäuscht. Das Roman teilt sich in drei Teile auf, zum Einen das Kennenlernen und die erste Phase des Zusammenseins von Paul und Susan, in der die glücklichen Momente überwiegen. Dann die zweite Phase, in der diese glücklichen Momente von den schlechten überlagert werden. Und schließlich der dritte und letzte Part, in dem Paul noch einmal abschließend auf sein Leben und diese Beziehung zurückblickt.
Mein Hauptproblem mit dieser Handlung, die durchaus interessant hätte sein können, war, dass wir nicht allzu viel von der Geschichte erfahren. Natürlich erzählt Paul davon, wie die Beziehung zwischen ihm und Susan startete und auch grob, wie sie vonstattenging. Die wichtigsten Ereignisse bekommen wir mit. Aber ein großer Teil des Buches besteht aus Pauls Reflektionen über die Liebe, das Leben oder was auch immer. Seine Gedankengänge sind unheimlich ausschweifend und haben nicht gerade dazu beigetragen, mir das Leseerlebnis spannender zu machen.
Was sicher auch daran lag, wie Paul über sein Leben philosophiert. Denn ihr müsst es euch so vorstellen: Diese Geschichte wird nicht einfach so erzählt, nicht so, wie man es gewöhnt ist. Nein, Paul erzählt diese Geschichte als alter Mann, der offenbar über sein Leben nachdenkt. Also nimmt Julian Barnes die Perspektive Pauls ein, der auf sein Leben hinabschaut. Und wie er das macht, fand ich einfach unfassbar problematisch und vor allem auch recht langweilig. Immer wieder erwähnt er, was er in seinen Rückblick aufnehmen wird. Wetter offenbar nicht. Genauso wenig Kleidung, die getragen wurde, oder Essen. Und meine Güte, aber Julian Barnes hätte auch einfach nicht darüber schreiben können, wie das Wetter war, ohne sich vorher so breit darüber auszulassen, dass er nicht darauf eingehen wird. Außerdem wirkte der Erzähler, Paul, und damit auch der Autor unheimlich überheblich. Nicht nur wegen seiner ausschweifenden Erklärungen, sondern vor allem, wie er als fiktional alter Mann zurückschaut und Sätze ablässt wie "Ich beneide die Jugend nicht. Ich bemitleide sie.". Außerdem fand ich es übertrieben, die Perspektive in den drei Teilen zu wechseln. Erst heißt es Ich, dann Du, dann Er. Und ja, ich habe verstanden, dass Erzähler Paul sich damit vom Erzählten distanziert oder überhaupt seine Verbindung dazu darstellt. Aber mir kam es sehr prätentiös vor und unnötig und hat bei mir eher dazu geführt, dass ich genervt war. Von der Geschichte, von Paul, von Julian Barnes. 
Wie ich zu Paul als Charakter stand, muss ich wohl nicht viel weiter ausführen. Wen ich allerdings recht spannend fand, war Susan. Wie sie auf diese Beziehung mit dem deutlich jüngeren Mann, auf jeden Meilenstein, den sie hinter sich lassen, reagiert, war interessant zu lesen. Doch im Allgemeinen kam sie mir irgendwann nur noch vor wie eine Witzfigur, unheimlich übertrieben. Über die weiteren Figuren im Buch braucht man außerdem kaum zu reden. Die meisten von ihnen (bis auf vielleicht Susans Ehemann und Joan) waren so unwichtig, dass man sie ach komplett hätte rauslassen können.

Mein Fazit


Wow, ich habe wirklich lange kein Buch mehr gelesen, das mich so underwhelmed hat. Tatsächlich war "Die einzige Geschichte" für mich das bisher schlechteste Buch des Jahres. Nicht, weil ich nicht schon Belangloseres gelesen hätte 2020, aber Julian Barnes versucht auf so überhebliche Art und Weise zu philosophieren und war für mich damit ein sehr großes Stück zu drüber, dass mir der Roman besonders schlimm vorkam. Von mir gibt es dafür nur 1,5 von 5 Sternen.

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

"Lucifer" geht in die zweite Runde!

Endlich, endlich geht es weiter mit der Serie "Lucifer"! Schon seit ich die erste Staffel der Serie über den Teufel, der wegen Langeweile die Hölle verlassen hat und auf die Erde übergesiedelt ist, gesehen habe, warte ich auf die zweite, die ja schon lange angekündigt wurde. Im Englischen kann man sie schon eine ganze sehen, nur in Deutschland hat die Staffel auf sich warten lassen und mich damit an den Rand der Nerven getrieben 🙈 Ab dem 11. August wird die zweite Staffel "Lucifer" direkt mit allen Folgen auf Amazon verfügbar sein. Wo und wann sie dann im Free-TV läuft, ist noch nicht geklärt, das letzte Mal konnte man sie auf ProSieben sehen, der Erfolg war jedoch eher mäßig. Na ja, ich werde da meine Amazon-Prime-Kundenvorteile nutzen und freue mich jetzt schonmal vor 😎

Die Verlobten des Winters

Autor:  Christelle Dabos Verlag:  Insel Verlag Seiten: 537 Erscheinungsdatum:  11. März 2019 weitere Bücher des Autors:  Die Spiegelreisende ( Die Verlobten den Winters , Die Verschwundenen vom Mondscheinpalast, Das Gedächtnis von Babel) Klappentext Ophelia lebt auf der friedlichen Arche Anima. Am liebsten versteckt sie sich hinter ihrer Brille und einem langen Schal. Dabei hat die junge Frau ganz besondere Talente: Sie kann Gegenstände lesen und durch Spiegel reisen. Eines Tages wird ihr Unheilvolles verkündet: Sie soll auf den eisigen Pol ziehen und den Adligen Thorn heiraten. Wer ist der Mann, mit dem sie von nun an leben soll? Und warum wurde ausgerechnet sie auserkoren? Ohne zu wissen, was sie erwartet, macht sich Ophelia auf den Weg in ihr neues, blitzgefährliches Zuhause.

Beautiful Liars - Verbotene Gefühle

Autor:  Katharine McGee Verlag:  Ravensburger Seiten: 508 Erscheinungsdatum:  23. August 2017 weitere Bücher des Autors:  Beautiful Liars – Verbotene Gefühle  Klappentext Je höher du steigst, desto tiefer wirst du fallen New York, 2118: Im höchsten Wolkenkratzer der Welt leben die Reichen oben und die Armen unten. Hinter der glänzenden Fassade des Towers verbirgt sich ein Netz aus Intrigen. Der wunderschönen Avery liegt die Welt zu Füßen – wortwörtlich, denn sie wohnt im obersten Stockwerk des Towers. Doch ein quälendes Geheimnis zerreißt sie mit jedem Tag ein bisschen mehr: die verbotene Liebe zu ihrem Stiefbruder Atlas. Niemand darf davon erfahren, weder ihre besten Freundinnen, die ehrgeizige Leda und die impulsive Eris, noch der faszinierende Watt aus den unteren Etagen. Avery ahnt nicht, dass ihre Freunde weitaus gefährlichere Geheimnisse verbergen – und dass ihre Welt bald wie ein Kartenhaus in sich zusammenfallen wi...