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Die Überlieferung der Welt

  

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450b/9783423718523.jpgAutor: 
Marie Graßhoff

Verlag: dtv Verlagsgesellschaft
Seiten: 442
Erscheinungsdatum: 13. März 2020
weitere Bücher des Autors: 
Die Überlieferung der Welt







Klappentext


Nur zusammen können sie ihr Schicksal erfüllen, doch können sie einander vertrauen?

Seit dem Tod ihres Vaters hält Laelia sich und ihren kleinen Bruder mehr schlecht als recht über Wasser, indem sie ihre geschickten Finger immer häufiger in fremde Taschen gleiten lässt. Bis Nero, der Herr der kriminellen Unterwelt, auf sie aufmerksam wird und der frechen Taschendiebin Einhalt gebieten lässt. Hadrian ist als Neros designierte Hand scheinbar am Ziel seiner Träume, doch will er dem Herrn der Unterwelt auch den letzten Teil seiner Seele überschreiben? Als Hadrian sich gegen seinen Ziehvater wendet, müssen er und Laelia aus ihrer Heimat fliehen. Sie schließen sich einem Seher an, dessen Vision sechs widerwillige Gefährten auf eine gefährliche Reise schickt. Doch jeder von ihnen hat etwas zu verbergen und mächtige Feinde wollen um jeden Preis verhindern, dass sich die Prophezeiung erfüllt.

Meine Meinung


Zur Buchgestaltung
Schon als ich das Cover zum ersten Mal sah, fand ich es wirklich schön. Mit den goldenen Blättern vor der eher düsteren Landschaft, hat es einfach was und passt vor allem super zum Genre Fantasy. Zwar ist es in wenig nichtssagend, was den Inhalt betrifft, aber optisch ist die Gestaltung wirklich toll.

Zum Buch
Auch rein Interessenstechnisch war "Die Überlieferung der Welt" genau meins. Junge Erwachsene, die sich zusammenschließen müssen, um etwas zu erreichen, ist eine Fantasy die ich mag und man hat mich damit nach "Six of Crows" sowieso. Außerdem ist die Autorin noch recht jung und hat bei einem Schreibwettbewerb gewonnen. Sagen wir es so: Ich war neugierig.
Ziemlich bald ist mir klar geworden, dass mich das Buch nicht ganz so begeistern wird, wie ich es mir erhofft hatte. An sich fand ich die Geschichte nicht schlecht, aber mir fehlte doch zu viel. Ganz grob geht es um eine Welt, die Neuen Götterlande, in denen Magie eine tragende Rolle spielt. In jedem der fünf Länder gibt es eine andere magische Ausprägung. Da sind Seher, Lauscher, Heiler, Schattenmagier und Blutmagier. Doch die Magie hat auch eine Kehrseite und diese wird immer offensichtlicher. Zu Beginn der Geschichte erfahren wir von einer Prophezeihung, die nicht allzu viel näher beleuchtet wird, als dass es eine Prophezeihung ist, zu der von jedem der Länder ein Magiebegabter notwendig ist, zwei aus dem iunisch-talinischen Lande. Und so beginnt eine Reise quer durch die Götterlande. 
Viel mehr Fokus als auf diesem eigentlichen Hauptplot lag allerdings auf der Beziehung zwischen Laelia und Hadrian. Denn ja, natürlich gibt es eine Lovestory. Hatte ich auch gar nicht anders erwartet, aber mich nervte schon ziemlich, wie wichtig sie für die Geschichte war und wie sehr die eigentliche Story darunter litt. An sich fand ich die beiden nämlich gar nicht so schlimm. Es war nur schlichtweg zu viel davon, vor allem wenn man bedenkt, dass ich so sehr lange überhaupt nicht wusste, in welche Richtung die Geschichte sich denn nun entwickeln will.
Schon allein das Worldbuilding ließ meiner Meinung nach nämlich stark zu wünschen übrig. Ich liebe es, in Fantasy neue Welten zu entdecken, doch hier gab es sehr spärlich etwas zu erfahren. Wenn es nötig wurden, erklärte Selin Visne etwas zur Welt oder der Magie oder der Gesellschaft, ansonsten nicht. So oft blätterte ich nach vorne, wo – zum Glück – jede Magie mit ihren Eigenheiten aufgedröselt wurde. Und trotzdem fehlte mir Grundlegendes wie zum Beispiel, wie die Heiler eigentlich genau heilen. Wie Seher ihre Prophezeihungen erhalten. So etwas. Genauso erging es mir mit den Herrschaftssystemen. Man erfährt gerade mal das, was unbedingt notwendig ist, aber nicht mehr. 
So wurde es mir irgendwann leider eher mühsam, die Geschichte zu lesen, denn die Spannung wollte bei mir so nicht recht aufkommen. 
Wirklich schade fand ich allerdings, dass nicht alle Charaktere gleich zu Beginn – oder wenigstens ungefähr zu Beginn – eingeführt wurden. Anfangs dreht sich fast alles um Laelia und Hadrian und deren Vorgeschichte, der immens  viel Wichtigkeit beigemessen wird. Irgendwann kommen dann Merla und Divan hinzu und machen das Ganze immerhin etwas interessanter. Dann Bacary und Vena, die ebenfalls zu den Protagonisten des Buches gehört, kommt vielleicht im letzten Drittel zum ersten Mal vor. Ich fand das extrem schade und habe es auch nicht ganz verstanden. Da wäre so viel Potenzial zusätzlicher Geschichte gewesen, das einfach nicht ausgeschöpft wurde!
Zum Schreibstil muss ich sagen, dass Selin Visne wirklich schreiben kann. Anderen Jugendbuchautoren steht sie nicht allzu sehr nach, was bei so jungen Autor*innen immer beeindruckend ist. Entsprechend ging es für mich doch recht flott, "Die Überlieferung der Welt" zu lesen. Nur war mir ihr Stil an mancher Stelle etwas steif. Sie drückt sich an so mancher Stelle ziemlich gehoben aus, was ich ehrlicherweise unnötig fand, denn die Protagonisten sind Jugendliche.
Womit ich zu ebenjenen komme. Sechs Charaktere stehen in diesem Buch im Fokus, zwei davon – wie schon erwähnt – besonders. Laelia und Hadrian waren mir anfangs noch ziemlich gleich, aber irgendwann haben sie mich doch genervt. Laelia fast schon vorher, denn sie gehört zum Typ "Ich bin perfekt und kann alles und mir ist das nicht mal bewusst", was mir immer unsympathisch ist. Und Hadrian arbeitete sich bei mir Stück für Stück nach unten. Sein "ich bin ja so gut aussehend" war anfangs noch ganz amüsant, wurde aber irgendwann nur noch nervig und war garantiert nicht charmant.
Die anderen Figuren fand ich da viel spannender. Gut, Divan bleibt lange sehr mysteriös, was für mich hier gleichbedeutend mit unscheinbar war. Und auch Bacary hatte nicht allzu viele interessante Seiten an sich. Doch Merla und später auch Vena waren mir von Anfang an sympathisch und hätten gerne mehr Platz bekommen können, um sich weiter zu entwickeln.
Die größte Frage, die ich mir jetzt, nach dem lesen, allerdings stelle ist: Geht es weiter? Denn bei mir stehen unfassbar viele Fragezeichen im Kopf, wenn ich an das Ende denke und vor allem der Gedanke: Das kann es gar nicht gewesen sein.

Mein Fazit


Wenn man mich so über "Die Überlieferung der Welt" reden hört (beziehungsweise hier meine Rezension liest), muss man denken, ich hätte es ganz schrecklich gefunden. Dabei war das gar nicht mal so. Das Buch ist solide Jugendfantasy, der man allerdings anmerkt, dass die Autorin noch nicht viel Erfahrung mit Worldbuilding hat und auch ihre Charaktere noch nicht so ausarbeiten kann, wie es gut wäre. Gute Ansätze sind nämlich auf jeden Fall vorhanden. Aber für dieses doch ziemlich durchwachsene Debüt gibt es von mir "nur" 3 von 5 Sternen.

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