Samstag, 28. April 2018

Gruber geht

Autor: Doris Knecht
Verlag: Rowohlt Berlin
Seiten: 238
Erscheinungsdatum: 11. März 2011
weitere Bücher des Autors: 
So geht das!: Wie man fidel verspiessert, Gut, ihr habt gewonnen: Neue Geschichten vom Leben unter Kindern, Gruber geht, Hurra: Wien – Zürich – Wien. Anleitung zum Doppelleben in 111 Schritten, Man kriegt so viel zurück!: Die besten Geschichten vom Leben unter Kindern, Besser, Wald, Langsam, langsam, nicht so schnell!: Geschichten vom Leben unter Teenagern, Alles über Beziehungen






Klappentext


John Gruber: Manager, Porschefahrer, Loftbesitzer und zynischer Bescheidwissser, der seiner Geliebten gerne mal schonungslos klarmacht, was die Realität von TV-Soaps unterscheidet. Doch plötzlich erwischt es Gruber selbst. Lange hat er sich mit einem coolen Superhelden verwechselt, da schmerzt es, als ein Tumor in seinem Bauch entdeckt wird. Gruber säuft, feiert, prügelt sich, er macht Selbsterfahrung und Chemotherapie. Und landet dabei in den Armen der schlauen, schönen Berliner DJane, die in Gruber etwas sieht, was nicht einmal Gruber selbst in sich sehen kann...

Meine Meinung


Zur Buchgestaltung
Gut, die Bezeichnung "schönstes Cover" wird das Buch von mir nicht erhalten, denn eigentlich finde ich das Cover sehr unspektakulär, eher nicht so schön. Der Wald und der Mann, der im Profil zu sehen ist und sich den Kopf am Baumstamm anschlägt, das ist nunmal nichts Besonderes für mich, nichts, weswegen ich das Buch kaufen würde. Aber gut, deswegen habe ich das Buch auch nicht gekauft.

Zum Buch
Der Grund war stattdessen eine Empfehlung. Wenn mir eine ehemalige Arbeitskollegin beim Bücher-Shopping ein Buch vor die Nase hält und mir davon vorschwärmt, dann kaufe ich das Buch eben. So viel Vertrauen habe ich. Vor allem, wenn es sich noch dazu um ein reduziertes Exemplar handelt 😁
Na, jedenfalls war es garantiert keine falsche Entscheidung von mir, "Gruber geht" zu kaufen, denn das Buch hat mich tatsächlich überzeugen können. Ich war mir so halb sicher. Meine Arbeitskollegin meinte zwar, dass der Protagonist, Gruber (der sich zumindest meistens Gruber nennt, also beim Nachnamen, was ich schon sehr witzig finde), nicht zu der sympathischen Sorte gehört, was ich ja schonmal ganz gern habe, aber sicher, dass mir das Buch gefallen würde, war ich mir trotzdem nicht hundertprozentig. Umso schöner ist es doch, wenn man so eine Überraschung erlebt!
Doch um was geht es denn überhaupt? Der Klappentext fasst das eigentlich ganz schön zusammen: John Gruber, Mitte / Ende Dreißig, erhält die erschreckende Diagnose Krebs. Etwas, von dem er zwar wusste, dass es das gibt, war er in seinem Leben jedoch nie und nimmer erwartet hätte. In genau dieser Zeit lernt er Sarah kennen, eine Frau, die anders ist als die anderen, die er vielleicht mal anruft, wenn er eine schnelle Nummer schieben möchte, und die in ihm auch mehr sieht als das Arschloch, der eben genau das macht. Die Handlung ist also nicht spektakulär actionreich. Es geht vielmehr um Grubers Entwicklung, wie er mit der Diagnose Krebs umgeht und was das für Auswirkungen auf sein Leben, auf seinen Charakter hat. Und das war ungemein spannend!
Was das Buch ebenso zu etwas ganz Besonderem macht, ist de Schreibstil. Das Buch ist aus mehreren Perspektiven geschrieben. Meistens aus der von Gruber selbst, hier allerdings aus dritter Perspektive. Allerdings werden immer wieder mal Kapitel aus der Ich-Perspektive eingestreut, aus der Sicht von Sarah etwa oder Kathi, das ist Grubers Schwester. Interessanterweise sind die Kapitel immer aus Sicht der Frauen in Grubers Leben. Das Zusammenspiel von Grubers Kapiteln und denen der anderen gibt einem einen ziemlich guten Gesamteindruck. Vor allem davon, wie Gruber sich selbst manchmal gehörig falsch einschätzt.
Grubers Kapitel haben sich besonders in meinem Kopf eingebrannt. Die Art, wie sie geschrieben sind, ist schon echt mega. Die teilweise ellenlangen Sätze, die man manchmal auch mehrmals lesen muss, gleichzeitig aber so authentisch wirken, wie aus dem Kopf eines Menschen genommen. Sie wirken wie lange, verworrene, von sich selbst unterbrochene Gedankengänge.
Und zu dieser meiner Meinung nach riesigen Authentizität kommt noch die Sprache an sich. Erstmal: Ja, Doris Knecht lässt ihre Figuren sehr gerne mal fluchen, wobei ich finde, dass das hier sehr gut passt, das ist einfach so, wie die Menschen in dem Buch reden. Und zweitens, der Dialekt ist einfach großartig. Ich habe ja schon einmal ein Buch einer österreichischen Autorin gelesen, wobei mir die Sprache darin gut gefallen hat, aber hier wurde noch einmal eine Schippe draufgelegt. Wie Gruber redet und denkt, da konnte ich mir direkt einen Österreicher vorstellen, der das sagt. Es war einfach schön vorstellbar, passte perfekt. Und das so rüberzubringen ist doch eine ganz große Kunst.
Auch die Charaktere hat Doris Knecht wirklich schön ausgearbeitet. Was hier auch immens wichtig ist, da Grubers Charakterentwicklung in dem Buch schließlich im Vordergrund steht. Besonders also Gruber als Charakter betrachtet finde ich toll. Anfangs wird man vielleicht noch nicht so ganz warm, weil er, wie ich ja schon erwähnt habe, ein ziemlicher Arsch ist. Er ist ganz einfach kein guter Mensch, wobei ich das wiederum interessant fand. Dadurch wurde er mir zwar sympathisch, aber ich fand es einfach spannend, mal mit so einem Protagonisten zu tun zu haben. Doch seine Entwicklung finde ich noch spannender. Die kommt nämlich ganz schleichend, zeigt sich in Details, wirkt nicht aufgesetzt und übertrieben. Heißt: Aus John Gruber, dem Arsch, wird nicht plötzlich John Gruber, der Menschenfreund. Er hat weiterhin definitiv seine Ecken und Kanten, aber man merkt einfach, dass er sich geändert hat. Zum Guten, versteht sich. Und auch wenn ich nachdenke, fällt mir gerade einfach kein Buch, kein Charakter aus einer Geschichte ein, der eine so schöne, leise Entwicklung durchgemacht hat.

Meine Meinung


Aus diesem Buch wurde bei mir eindeutig ein Überraschungshighlight, ich hätte nicht unbedingt damit gerechnet, dass mich die Geschichte derart fesseln, das Buch mir so gut gefallen würde. Besonders der österreichische Dialekt und Grubers Charakterentwicklung haben mir unglaublich gut gefallen. Von mir gibt es 5 von 5 Sternen!
Bei meinen Challenges bin ich zudem auch weitergekommen und zwar habe ich mit "Gruber geht" für die LovelyBooks Themenchallenge ein Buch über ein Land gelesen, in dem ich selbst schon Urlaub gemacht habt. Hier war das Österreich und in Österreich war ich schon einige Male zum Skifahren.

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