Montag, 20. Februar 2017

Cruelty - Ab jetzt kämpfst du allein


Klappentext


Was tust du, wenn man dir das Liebste nimmt? Wenn du erfährst, dass dein leben eine Lüge war?

Zehn Jahre ist es her, seit ihre Mutter ermordet wurde. Wie immer verbringt Gwen den Todestag mit ihrem Vater. Danach reist er geschäftlich nach Paris. Tags darauf stehen zwei Unbekannte vor Gwens Tür. Sie erzählen eine unglaubliche Geschichte: Ihr Vater ist eigentlich CIA-Agent. Und bei einem Einsatz spurlos verschwunden. Wurde er entführt? Wollte er dem Geheimdienst den Rücken kehren? Die CIA stellt die Ermittlungen schnell ein.
Gwen hat eine einzige Spur: den namen eines Kontakmanns in Paris. Eine gefährliche Reise über mehrere Kontinente beginnt, immer dem Zentrum der Gefahr entgegen. Bald sieht sich Gwen einem internationalen Netzwerk aus Waffenschiebern, Drogendealern und Menschenhändlern gegenüber. Und sie erkennt: Wenn man diese Gegner besiegen will, muss man so hart und grausam werden wie sie.

Meine Meinung


Zur Buchgestaltung
Das Cover von "Cruelty - Ab jetzt kämpft du allein" ist ein richtiger Hingucker. Es ist schwarz-weiß, nur der Unterkörper einer Person, mit Stiefeln und einem kleinen Messer in der Hand, dahinter eine rissige Wand. Es sieht schon echt Baddass aus, einfach nur cool. Und dann kommt dazu die knallige Schriftfarbe, in der der Titel geschrieben ist und der dazu passende neonorangefarbene Buchschnitt. Das finde ich wirklich gelungen.

Zum Buch
Beim Inhalt kann ich leider nicht ganz so euphorisch sein wie bei der Buchgestaltung. Den Roman habe ich im Rahmen eines Lesewochenendes auf lovelybooks gelesen, was für mich auch mal eine neue Erfahrung war. Erstens, weil die Zeit zum Lesen vorgegeben und dazu noch sehr kurz war, aber auch, weil man sich in den drei Tagen intensiv mit den anderen Lesern ausgetauscht hat und ich finde es sowieso immer interessant zu erfahren, was andere über das Buch denken, das ich gerade lese.
Vom Klappentext her hört sich alles unglaublich spannend und düster an. Ein 17-jähriges Mädchen (ja, "Cruelty" ist ein Jugendroman), dessen Vater verschwindet und von dem sie erfährt, dass er bei der CIA arbeitet. Nachdem eine Zeit lang nichts herumkommt, macht sie sich selbst auf die Suche nach dem Vater. Das Konzept stimmt also schonmal.
Die Handlung ist auch interessant, mehr als das. Sie bietet unglaublich viel Spannung, Action, Rätselraten. Man wird mitgenommen in verschiedene Hauptstädte Europas, lernt die verschiedensten Personen kennen. Ich finde es toll, wie Scott Bergstrom so viele Kulturen in diesem Buch beleuchtet, jede so gut beschreiben kann. Wie er nicht nur die schönen, die Touristen-Seiten der Städte zeigt, sondern auch die Teile, in denen es schmuddelig ist oder einfach nur alltägliche Seiten einer Stadt. Ihr seht das große ABER schon kommen? Ihr bekommt das große ABER.
ABER es kamen mir zu viele Logikfehler in diesem Roman vor. Dass ein Buch einen gewissen Grad an Unlogik beinhaltet, verkrafte ich, das kommt doch fast immer vor, aber hier häufen sich diese Dinge. Was mir besonders aufgefallen und auch auf die Nerven gefallen ist, ist die Tatsache, dass Gwen die Lösungen für ihre Probleme immer in den Schoß zu fallen scheinen. Sie weiß nicht, was mit der einen oder anderen Notiz gemeint ist? Innerhalb weniger Minuten kommt sie doch drauf. Sie sucht jemanden in einer Stadt, in der Millionen Menschen wohnen? Kein Problem für Gwen, sie findet diesen Jemand. Und so weiter und so weiter. Das hat mich richtig gestört, denn die Gute ist 17 (!!), da hat man die Weisheit nunmal noch nicht mit Löffeln gefressen und dass man so oft so ein Riesenglück hat, kaufe ich auch keinem Erwachsenen ab.
Zwischendurch war mir der Roman dann auch sehr brutal. Wieder, es handelt sich hierbei um einen Jugendroman und doch rennt die Hauptperson durch die Gegend und ermordet kaltblütig, aber dazu gleich noch mehr. Außerdem wurde eine Liebesgeschichte in "Cruelty" eingebaut, die sich erstens für meinen Geschmack viel zu schnell entwickelt, zweitens an sich seltsam ist, und zwar nicht im guten Sinne, und drittens auch noch ziemlich unnötig, ich zumindest hätte auch ohne die Lovestory leben können, vor allem, weil sie sich eben so rasant und seltsam entwickelt hat. Der Autor schien da anderer Meinung zu sein...
Ansonsten mochte ich die Handlung des Buches aber, vor allem, dass es so viel gab und noch gibt, über das man Spekulieren kann. Zwar wurde es zum Ende hin etwas verworren, aber ich denke/ hoffe, dass es in dem zweiten Teil, der anscheinend nächstes Jahr erscheinen soll, Antworten auf die Fragen geben wird.
Jetzt zu dem, was mich am meisten am Roman gestört hat, der Protagonistin. Am Anfang ist Gwendolyn Bloom ein mehr oder weniger normales Teenager-Mädchen, wenn man mal davon absieht, dass sie wegen des Berufs ihres Vaters dauernd umziehen musste und deswegen 6 Sprachen spricht. Ich empfand sie als eine coole Hauptfigur, auch wegen ihrer eher ungewöhnlichen Hobbies, Turnen und Kartentricks. Vor allem aber mochte ich die Einstellung, mit der sie sich selbst sah, nämlich ungeschönt. Sie beschreibt sich selbst zwar nicht als hässlich, aber gibt zu, dass sie zu unkonventionell aussieht, um als schön zu gelten. Sie weiß, dass sie keine Heldin ist, wie die, von denen sie in Jugendbüchern liest. Durch ihre ironische Art wurde sie mir sympathisch, selbst wenn sich diese Ironie eher auf Gedanken beschränkte, aber auch das kam mir nur authentisch vor. Und dann ändert sie sich. Es ist klar, dass Gwen nicht das unschuldige Mädchen bleiben kann, das sie zu Anfang des Romans ist, das geht einfach nicht, dafür erlebt sie zu viel. Doch zu was sie sich wandelt und die Heftigkeit...es war einfach zu krass. Innerhalb ungefähr einen Jahres entwickelt sie sich zu einer skrupellosen, eiskalten Gwen, die kaum noch so etwas wie Gefühle zeigt und schon gar kein Gewissen, Geht das nur mir so oder finden das noch andere krass bei einer 17-Jährigen? Bei mir hat es jedenfalls dazu geführt, dass mich auch die Handlung ein bisschen genervt hat, selbst wenn die gut war, Gwen hat es mir einfach vermiest.
Von den restlichen Charakteren kann ich allesamt behaupten, dass ich sie ziemlich undurchsichtig finde. Ob Gwens Vater, das alte Ehepaar Bela und Lili, die Agenten Carlisle und Diaz, Terrance, Yael, Marina, Kladivo, und und und. Sie kamen mir alle seltsam schwammig vor, ich konnte mir keinen der Charaktere richtig vorstellen. Zwar kann ich sagen, dass mir manche eher sympathisch waren und andere eben nicht, aber sonst...nada.
Zuletzt noch zum Schreibstil, der, wie ich finde, das Beste am Buch ist. Scott Bergstrom schreibt aus Sicht von Gwen, Ich-Perspektive und Gegenwart, was schonmal eine gute Voraussetzung weil meine Lieblingskombination ist. Er hat eine interessante Art zu erzählen, beschreibt Details, ohne ausschweifend zu werden und hat es mir leicht gemacht, das Buch an einem Wochenende zu lesen. Ich mochte, wie auch immer wieder die verschiedenen Sprachen gebraucht werden. Und Gwens Gedanken an sich selbst fand ich immer wieder witzig zu lesen. Egal, wie unsympathisch, sie selbst mir wurde, wenn sie sich selbst Anweisungen gab, war das immer wieder erfrischend. Der tolle Schreibstil konnte meiner Meinung aber auch den Rest nicht aus der Mittelmäßigkeit retten.

Mein Fazit


Ich hatte mir mehr erhofft von diesem Buch, das sich so vielversprechend anhört und auch einen guten Anfang hinlegt mit einem coolen Schreibstil. Die Handlung ist an sich zwar spannend und interessant, doch die Logiklücken fallen hier zu sehr auf, und Gwen, die ich anfangs noch mochte, verliert im Laufe der Geschichte einiges an Punkten auf dem Sympathiekonto. Ich bin noch nicht ganz sicher, ob ich den zweiten Teil lesen werde, wenn er herauskommt, die offenen Fragen machen schon neugierig, denn sie könnten beantwortet werden, aber sonst...? Das Buch konnte mich einfach nicht gänzlich fesseln. Deswegen bekommt es von mir auch nur mittelmäßige 2,5 von 5 Sternen.
Für die ABC Lesechallenge hat mich der Roman eine weitere Aufgabe lösen lassen, nämlich, ein buch zu lesen, dessen Titel mit einem "C" beginnt 😊

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