Donnerstag, 20. April 2017

"Tote Mädchen lügen nicht" Staffel 1

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Die Serie, über die momentan diskutiert wird wie über keine andere - "Tote Mädchen lügen nicht" beziehungsweise im Original "Thirteen Reasons Why" ist seit dem 31. März auf Netflix verfügbar und oft kommt es mir vor, als hätte wirklich jeder sie gesehen. Auch ich hab mir die Serie schon lange vor Release vorgemerkt, weil ich unglaublich gespannt war, wie die Buchvorlage umgesetzt werden würde.
Das Buch habe ich geliebt. Anders kann ich es nicht ausdrücken und dementsprechend waren meine Erwartungen an die Verfilmung als Serie ziemlich hoch. Aber schon die Informationen, die man vorher über die Serie lesen konnte, hörten sich ganz gut an: Der Cast einigermaßen jung und unbekannt (was ich immer sehr cool finde, denn so verbindet man die Schauspieler mit nichts anderem), die Staffel in 13 Folgen unterteilt, für die 13 Kassetten, die Inhalt des Buches waren. Insgesamt hörte es sich so an, als würde der Roman von Jay Asher gut in die Serie gepackt werden, nichts weggelassen werden. "Tote Mädchen lügen nicht" setzte ich also auf meine Serienliste, mit einem grell angestrichenem anfangen!.
Ganz kurz gefasst geht es in der Serie um Clay. Vor etwa zwei Wochen hat sich eine Mitschülerin von ihm, Hannah Baker, umgebracht und nun liegt vor seiner Haustür ein Päckchen, an ihn adressiert, mit einem Stapel Kassetten zum Inhalt. Diese wurden von Hannah aufgenommen und sie zählt darauf die 13 Gründe beziehungsweise Personen auf, die zu ihrem Selbstmord beigetragen haben. Und jeder, der die Kassetten erhält, ist auf einer dieser Kassetten. Was also hat Clay getan, das das verursacht haben könnte?
Als ich dann tatsächlich mit dem Schauen anfing, hat sich meine Begeisterung ein klein wenig zurückgestuft. Enttäuschung kann man es nicht nennen, denn ich fand die ersten Folgen nicht schlecht. Nur seeehr langsam erzählt, jede dauert um die 50 Minuten. Hier kommt nämlich auch schon Unterschied Nummer 1 vom Buch zur Serie, denn Clay hört sich die Kassetten nicht innerhalb einer einzigen Nacht an, sondern innerhalb mehrerer Tage, fast schon zwei Wochen. Sich daran zu gewöhnen war für mich doch ein wenig schwer. Was bei mir vielleicht auch dazu beigetragen hat, dass mich die ersten paar Folgen nicht fesseln konnten, war, dass ich den Ausgang der Geschichte ja schon wusste. Ich kannte die Namen, die auf den Kassetten vorkommen, aus dem Buch, wusste, was passiert. Dieser Faktor "Ich muss unbedingt wissen, wieso Clay auf diesen Kassetten ist und wie alles zusammenhängt", den ich zum Beispiel auch beim Lesen des Buches verspürt habe, fiel bei mir hier weg.
Je weiter die Serie jedoch voran schritt, desto mehr packte sie mich. Einmal natürlich wegen der Story an sich, sie ist sehr interessant und spannend. Aber mir eben auch schon bekannt. Auch die Darsteller fand ich sehr passend für die Rolle (Wenn man mal davon absieht, dass sie alle ein wenig zu alt sind für die Highschool, aber in welchem Film ist das nicht so? Hier finde ich das noch total im Rahmen), doch das konnte es ebenfalls nicht sein, denn die waren auch in den ersten Folgen schon so gut. Nein, was schließlich dazu geführt hat, dass mich die Serie gefesselt hat, war, dass die Handlung des Buches erweitert wurde um die Gegenwartsebene, die im Buch aus nur einer Nacht besteht. Dadurch, dass man hier fast zwei Wochen hat, konnte viel mehr erzählt werden.
Die Eltern sind zum Beispiel ganz neu. So ziemlich in jeder Folge kann man mitverfolgen, was die Eltern von Hannah nach deren Suizid mitmachen und wie sie einen Prozess gegen die Schule führen, in dem es um den Selbstmord geht. Aber auch Clays Eltern geraten mehr in den Fokus, wie sie darauf reagieren, dass sich ein Mädchen aus Clays Umkreis umbrachte.
Die wohl wichtigste Erweiterung ist aber meiner Meinung nach, dass man jeden, der auf den Kassetten erwähnt wird, kennenlernt. Im Roman hört man zwar von ihnen, aber nur indirekt durch Hannah. Hier, in der Verfilmung, lernt man die Täter quasi persönlich kennen und sieht, wie jeder einzelne mit seiner Schuld umgeht. Und das war es, was mich letztendlich gecatcht hat. Denn man merkt, dass die Kassetten nur eine Sicht, nur Hannahs Sicht der Dinge ist. Die Täter haben ihre ganz eigene Geschichte dazu. Auch wenn es das, was sie getan haben, nicht besser macht. versteht man sie ein wenig mehr. Und wenn man sieht, wie ihnen Hannahs Selbstmord gepaart mit der Tatsache, dass sie selbst auch Anteil daran hatten, zusetzt, werden sie einem sogar sympathisch. Gut, andere auch nicht, andere konnte ich bis zum Ende nicht leiden. Durch diesen längeren Zeitraum, den man durchlebt, erfährt man also viel mehr über die anderen Schuldigen auf den Kassetten und was sie nach dem Hören über ihre eigene Tat eigentlich machen. Was auch wirklich krass ist, ganz ehrlich, ich lag manchmal nur noch da und hatte den Mund offen stehen. Vor allem das Finale der Staffel hat mich komplett schockiert zurückgelassen. Da habe ich realisiert, dass ich das Buch so oft hätte lesen können, wie ich wollte, die Serie überrascht trotzdem durch die erweiterte Handlung und hält dadurch die Spannung hoch.
Es gibt natürlich immer eine Frage, die man sich stellt, wenn ein Buch, das man gelesen hat, verfilmt wird. Wurde das Buch gut verfilmt? Ich habe extra nochmal angefangen, den Roman zu lesen, weil ich nicht mehr haargenau alles im Kopf hatte und wissen wollte, was eigentlich alles verändert wurde. Was nicht gerade wenig ist. Wie schon gesagt ist da die Zeitspanne, die verlängert wurde und die damit verbundene Änderung, dass die Handlung viel mehr umfasst als das im Buch der Fall war. Die Reihenfolge der Kassetten wurde an ein paar wenigen Stellen vertauscht, was ich einmal verstehen konnte, ein anderes Mal eher nicht. Das Ende wurde abgeändert. Clays Charakter ist ein wenig anders als er im Buch rüberkommt. Dazu kommen noch ein paar Kleinigkeiten, aber alle diese Änderungen kamen mir entweder logisch vor oder nicht so wichtig, als dass ich mich darüber aufregen würde. Das Einzige, was ich wirklich nicht verstehen kann, ist, weshalb aus Jenny plötzlich Cheri wurde. Ich meine, wieso wird auf einmal ein Charakter umbenannt? Wobei das eigentlich auch unter die Kategorie "nicht so wichtig" fällt^^
Meiner Meinung nach wurde die Serie also top umgesetzt. Vielleicht nicht unbedingt an jeder Stelle buchgetreu, aber das eine schließt das andere bei mir nicht aus. Besonders, dass die Charaktere in jeder Hinsicht so vielfältig sind, hat mir richtig gut gefallen. Hier wird einem kein Einheitsbrei aus angepassten, glänzenden Schülern vorgesetzt, wie man es aus den typischen Highschool-Filmen kennt, mit einem Quotenschwarzen und wenn es hoch kommt noch einem Asiaten. Homosexualität ausradiert oder klischeehaft dargestellt. Hier nicht, hier sind verschiedene Vorlkgruppen vertreten wie auch sexuelle Orientierungen und es wirkt so vollkommen normal und nicht aufgesetzt. Aber überhaupt finde ich es super, wie mit den schwierigen Themen umgegangen wird. Der Selbstmord, die Schuldfrage... Teilweise wirken Hannahs Schuldzuweisungen vielleicht kleinlich, aber dadurch wird es auch realistischer. So etwas könnte an jeder Schule passieren.
Insgesamt bin ich also, trotz etwas holprigem Start, begeistert von der Serie "Tote Mädchen lügen nicht", von vorne bis hinten. Und bei den vielen offenen Fragen, die das Finale hinterlässt, frage ich mich natürlich, ob es eine zweite Staffel geben wird. Scheint ja nicht ganz ausgeschlossen zu sein, auch wenn die Handlung des Buches vorbei ist. Ich würde mir eine Fortsetzung auf jeden Fall ansehen 😄

Kommentare:

  1. Eine sehr gute Rezi!
    Vielen Dank dafür! Hat mich gefreut zu lesen ...
    (Erfreulich auch, dass es spoilerarm geblieben ist)

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    1. Hallo riepichiep,
      dankeschön :) Ich versuche immer, möglichst wenig zu spoilern und wenn ich doch mal etwas mehr zum Inhalt sage, schreibe ich extra eine Warnung dazu...
      LG Nadine

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