Sonntag, 11. Juni 2017

Das Leben fällt, wohin es will

Klappentext


Party, Spaß und Freiheit - das ist für Marie das Allerwichtigste, und sie liebt ihr sorgenfreies Dasein. Das ändert sich jedoch schlagartig, als ihre Schwester Christine schwer erkrankt und sie darum bittet, sich während der Behandlung um ihre Kinder zu kümmern. Und nicht nur das - Marie soll auch noch Christine Posten in der familieneigenen Werft für Segelboote übernehmen. Darauf hat Marie ja mal so überhaupt keinen Bock, und auf ihren neuen "Chef", den oberspießigen Daniel, erst recht nicht. Während sie von einem Chaos ins nächste stolpert, wird ihr jedoch klar, dass es Dinge im Leben gibt, für die es sich zu kämpfen lohnt. Und dass manches einen ausgerechnet dann erwischt, wenn man es am wenigsten erwartet - zum Beispiel die Liebe...

Meine Meinung


Zur Buchgestaltung
Oh, ich mag das Cover von "Das Leben fällt, wohin es will"! Es passt aussehenstechnisch nicht nur zu seinem Vorgänger "Glück ist, wenn man trotzdem liebt" und auch den anderen beiden, die inzwischen umgestaltet wurden, sondern auch super zur Geschichte. Mit den blauen und weißen Streifen hat der Roman was Maritimes, was gut zur Werft, die in der Geschichte eine wichtige Rolle spielt, passt. Und auch die Gegenstände, die darauf zu sehen sind, haben etwas mit dem Inhalt zu tun, zumindest der Schlapphut hat den ein oder anderen Auftritt. Also ein gelungenes Cover, das noch dazu schön zum Genre passt.

Zum Buch
Ich kann gar nicht sagen, wie sehr ich mich auf dieses Buch gefreut habe. Seit ich letztes Jahr "Glück ist, wenn man trotzdem liebt" gelesen habe, bin ich ein Fan von Petra Hülsmann und habe bisher alle ihrer Romane gelesen. Gut, das waren dann insgesamt drei, aber hey, ich hab sie trotzdem alle gelesen. Ob ich mir "Das Leben fällt, wohin es fällt" kaufe, stand also außer Frage, denn natürlich habe ich es vorbestellt 😄
Obwohl die Vorfreude groß war, hatte ich gar nicht mal so hohe Erwartungen an das Buch. Ich dachte, es würde eine unterhaltsame, aber nicht sehr tiefgründige Lektüre werden. Ein typischer Sommerroman eben. Aber da hab ich mich getäuscht, meine Erwartungen wurden übertroffen!
Die Geschichte dreht sich, wie der Klappentext schon sagt, um Marie, deren Leben plötzlich ganz anders ist. Denn als sie von der Krankheit ihrer Schwester Christine erfährt, muss sie Verantwortung übernehmen. Nicht nur soll sie bei ihrer Schwester einziehen, um auf deren Kinder aufzupassen, auch soll sie Christines Posten in der Werft übernehmen, in der Geschäftsleitung. Chaos ist also vorprogrammiert und es war unglaublich interessant und witzig zu verfolgen, wie Marie dieses neue Leben meistert. Die Story hat eigentlich immer etwas Interessantes geboten und das ohne große Dramen heraufbeschwören zu müssen. Auf mich haben die Handlungen meistens authentisch gewirkt, wie etwas, das einem auch im echten Leben widerfahren kann. Vor allem Christines Krankheit und welche Folgen das für alle um sie herum hat, wurde nicht beschönigt, was mir richtig gut gefallen hat. So gab es zu den lustigen Momenten und denen, die für ein bisschen kribbeln gesorgt haben, auch berührende Stellen im Buch.
Petra Hülsmanns Schreibstil hat das sehr schön widergespiegelt. Die Autorin hat einfach Talent. Sie schreibt so flüssig und angenehm, dass das Buch einen richtigen Sog entwickelt und einen nicht mehr loslässt. Dauernd habe ich zu dem Buch greifen müssen, weil ich unbedingt wissen wollte, wie es weitergeht, und dann hing ich wieder eine ganze Weile daran fest. Das ist auch der Grund, warum ich nur wenige Tage für den Roman gebraucht habe.
Außerdem steckt in den Dialogen viel Wortwitz und auch sie könnten direkt aus dem echten Leben kommen, so natürlich wirken sie.
Und etwas, das ich einfach genial fand: In "Das Leben fällt, wohin es will" wird an manchen Stellen Plattdeutsch geredet! Wer die anderen Bücher der Autorin kennt, weiß, dass sie gerne Dialekte in ihre Geschichte einbaut, vor allem das Hamburgerische (ist ja klar bei einer Hamburger Autorin) kommt immer wieder vor. Aber dass sie Plattdeutsch mit einbaut, damit hätte ich nicht gerechnet, und das hat mich nochmal mehr gefreut. Und für alle, die nicht alles Plattdeutsche verstanden haben (wie mich zum Beispiel) wurde das im Anhang nochmal 'übersetzt'.
Auch die Charaktere in dem Buch haben mich überzeugen können, besonders auch die Nebencharaktere, was ja nicht unbedingt bei jedem Roman der Fall ist. Ich hatte es zum Beispiel schon oft, dass die Protagonisten super vielschichtig waren, die Nebenfiguren jedoch im Vergleich dazu sehr blass. Nicht so hier. Gut, manche der Personen im Buch lernt man nicht so richtig kennen, aber Christine fand ich toll beschrieben, genau wie ihre Kinder Toni und Max. Hanna, Maries beste Freundin, wurde mir im Laufe der Zeit ebenso sympathisch, bei Maries beiden anderen freunden, Ebru und Hector, bin ich mir nicht so ganz sicher, auch wenn ich beide ganz interessant fand.
Und die beiden Protagonisten waren natürlich wieder sehr cool. Marie, der Freigeist, war mir von Anfang an sympathisch und je weiter die Geschichte Fortschritt, desto mehr Facetten lernte ich von ihr kennen, die sie mir noch mehr ans Herz wachsen ließen und sie außerdem noch authentischer haben werden lassen. Und Daniel, den ich am Anfang noch nicht wirklich mochte, lernte man ebenfalls besser kennen und auch bei ihm findet man Seiten, die man vielleicht nicht vermuten würde. Dazu kommt noch, dass keiner der Charaktere wirklich perfekt wirkte, sie machten Fehler und manchmal sagten oder taten sie Dinge, die echt unsympathisch waren, aber genau das hat mich dann auch weider überzeugt, eben dass hier niemand perfektioniert wird.
Außerdem kommt auch wieder ein alter Bekannter aus den Petra-Hülsmann-Büchern vor, nämlich Knut, der Taxifahrer. Das Treffen mit ihm hat mich echt gefreut, weil, ganz ehrlich, was wäre ein Buch der Autorin ohne Knut? Und auch die Protagonisten der vorherigen Romane von Petra Hülsmann wurden erwähnt, sodass man immer auf dem Laufenden bleibt, was denn grob bei denen noch passiert. 
Das Einzige, was mich ein wenig gestört hat, war das harmoniebedürftige Ende, um das man hier nicht herumkommt. Es ist schon sehr Friede-Freude-Eierkuchen, aber gut, damit komme ich aus, genau wie mit der ziemlichen Vorhersehbarkeit der Geschichte, die natürlich zu erwarten war. Es handelt sich nunmal um einen 'seichten' Liebesroman und dafür fand ich ihn wirklich toll.
Das, was mich noch viel mehr verwundert, ist die Seitenanzahl. Denn bei Amazon, lovelybooks und eigentlich überall steht, dass der Roman gute 416 Seiten umfasst, aber ich habe ihn bei mir daheim, es sind ganz eindeutig gute 500 Seiten. Was da schief gelaufen ist, wüsste ich auch gerne^^

Mein Fazit


"Das Leben fällt, wohin es will" hat also nicht nur meine Erwartungen erfüllt, sondern sie sogar noch ein Stückchen übertroffen. Statt einer netten, leichten Sommerlektüre hat mich ein sehr schöner und an manchem Stellen berührender Roman erwartet, der mich nicht mehr losgelassen hat. Samt tollem Schreibstil, authentischen Charakteren und Platt. Hinter meinem Lieblingsroman von Petra Hülsmann, "Glück ist, wenn man trotzdem liebt" bleibt er ein ganz klein wenig zurück, bekommt aber trotzdem 5 von 5 Sternen!
Und als wäre das nicht schon genug Grund zur Freude, kann ich mit dem Buch auch wieder zwei der Aufgaben aus meinen Challenges abhaken. Und zwar einmal, ein Buch zu lesen, dessen Cover sommerliche Gegenstände enthält (Sommerhut und Anker!) für die 4 Jahreszeiten Challenge und für die ABC Lesechallenge die Aufgabe ein Buch mit mindestens 500 Seiten zu lesen, was der oman zwar nur knapp schafft, aber immerhin schafft 😄

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