Montag, 23. Januar 2017

Nur ein Tag

Klappentext


Allysons Leben ist genau wie ihr Koffer - überlegt, geplant und ordentlich gepackt. Doch am letzten Tag ihrer dreiwöchigen Europatour lernt sie Willem kennen.
Sofort knistert es zwischen den beiden. Als freier, ungebundener Schauspieler ist Willem all das, was die 18-jährige Allyson nicht ist, und als er sie einlädt, mit ihr nach Paris zu kommen, trifft sie spontan eine für sie untypische Entscheidung. Sie ändert ihren Plan und geht mit ihm. Nach nur einem gemeinsamen Tag wird aus dem knistern ein Brennen... bis Allyson am nächsten Morgen aufwacht und feststellen muss, dass Willem nicht mehr da ist.

Meine Meinung


Zur Buchgestaltung
So an sich sieht das Cover nicht allzu beeindruckend aus: Der rote Hintergrund mit dem leichten Blumenmuster, davor die eine Hälfte eines Herzens, in weiß. Doch wenn man ein wenig genauer hinsieht, erkennt man die roten Figuren im Herz, das Mädchen und den Eiffelturm. Und dass das Herz quasi aus Papier ist, was man auch beim Drüberstreichen merkt. So wird es zwar immer noch nicht zum unglaublichen Blickfang, aber was die Buchgestaltung für mich so interessant macht, ist, dass es noch eine zweite Hälfte des Herzens gibt, den zweiten Teil der Geschichte. 

Zum Buch
Es müsste etwa ein Jahr her sein, dass ich von den neuen Büchern von Gayle Forman gehört habe. Genau, richtig gelesen, neue Bücher, Mehrzahl. Denn "Nur ein Tag" und "Und ein ganzes Jahr" sind gleichzeitig erschienen und das hat es für mich ziemlich interessant gemacht. Also habe ich mir den ersten Band gekauft, der eine ganze Weile auf meinem SuB herumlag, bis ich mich aufgerafft habe, das Buch zu lesen. Denn zwar fand ich diese Zwillingsbücher interessant, aber irgendwie war es doch auch abschreckend zu wissen, dass da noch ein zweiter Teil lauert, der gelesen werden will.
Ich hatte auch eine ganz genaue Vorstellung von den Büchern, was mich dabei erwarten würde. Ich hatte natürlich den Klappentext (zumindest vom ersten Teil) gelesen und kannte die Titel, natürlich hatte ich eine Vorstellung davon, was mich erwartet. Und dann fange ich an zu lesen und weiter und weiter und irgendwann schau ich mir nochmal das dicke Buch an und mir wurde klar, dass der Roman ganz anders ist als ich erwartet hatte.
Ich hatte nämlich gedacht, "Nur ein Tag" würde sich ausschließlich um diesen einen Tag drehen, den Allyson und Willem in Paris verbringen. Weil, na ja, das Buch heißt schon so. Im Nachhinein wurde mir klar, dass das, hätte ich beim Lesen vom Klappentext mal ein bisschen nachgedacht, eher unwahrscheinlich wäre, denn dafür verrät er zu viel. Also nein, in "Nur ein Tag" geht es nicht ausschließlich um den Tag in Paris, sondern auch um das Jahr danach, das ich eigentlich "Und ein ganzes Jahr" zugeordnet hätte.
Na ja, jetzt hör ich mal damit auf und komme zum Eigentlichen:
Erstmal muss ich sagen, dass ich den Schreibstil von Gayle Forman schön zu lesen finde. Er ist vielleicht nichts übermäßig besonderes, aber er ist angenehm und die Seiten sind nur so geflogen :)
Die Charaktere fand ich ziemlich interessant, zumindest die wichtigeren. Mit Allyson, aus deren Sicht geschrieben wird, konnte ich gut mitfühlen. Sie ist eigentlich eine eher ruhige Person, zweifelt an sich selbst und will gleichzeitig aus sich raus, was natürlich nicht so leicht geht. Sie will niemanden enttäuschen und macht deswegen Sachen, die sie eigentlich gar nicht will. Mit ihr können sich glaube ich viele junge Erwachsene identifizieren. Allysons Eltern...hm... Vor allem die Mutter ist überfürsorglich und ich fände es grässlich, wenn meine Eltern mein gesamtes Leben für mich planen würden, aber irgendwo kann man sie doch auch verstehen. Auch Melanie konnte ich mir gut vorstellen, diese Freundin in der Selbstfindungsphase und ich finde auch, dass die Autorin damit wieder etwas Wichtiges anspricht. Nämlich, dass sich selbst Freundinnen, die mal unzertrennlich waren, auseinanderleben können. Und Dee war auf jeden Fall einer der spannendsten Charaktere, wie er sich immer wieder anpasst, beziehungsweise extra die Erwartungen der anderen Personen erfüllt. Ach ja, und dann gibt es natürlich noch Willem. Er wurde mir sehr sympathisch, auch wenn er seine seltsamen beziehungsweise unsympathischen Momente hatte. Manchmal kam er schon sehr unberechenbar rüber.
Die unwichtigeren Personen hingegen fand ich oft nicht ganz so authentisch beschrieben, vor allem die, die zum Ende hin vorkommen. Bei denen hatte ich nicht so das Gefühl, ihre Motive zu verstehen wie bei den anderen.
Die Handlung hat mich wie schon gesagt ziemlich überrascht. Was aber nicht wirklich schlecht ist, denn ich stell mir das schon ein bisschen langatmig vor, wenn wirklich nur ein einziger Tag in diesen gut 400 Seiten beschrieben worden wäre. So nimmt der Tag in Paris vielleicht ein Drittel ein, aber nicht mehr, was auch ganz gut so ist. Wie Allyson und Willem dort hin kommen und was sie dort erleben ist unglaublich interessant geschrieben, vor allem, was sie dort machen. Denn es werden nicht die bekannten Touristenattraktionen abgeklappert, stattdessen bekommt man viele verschiedene Facetten von Paris zu sehen/ liest davon. Und die Zeit nach Paris, nachdem Willem einfach verschwunden ist...hm, da bin ich eindeutig zwiegespalten. Denn vor allem am Anfang zieht sich das, die Handlung ist nicht mehr ganz so interessant und nimmt erst nach einer Weile wieder Fahrt auf. Es ist aber auf jeden Fall schön, dass die Geschichte so, wie sie ist, sehr von den bekannten Jugend- und Liebesromanen abweicht, denn es geht hier auch viel um Selbstfindung. Das Finale wirkt dann zwar vor allem auf den letzten Seiten ein bisschen überstürzt, aber das offene - und damit meine ich wirklich sehr offene - Ende konnte mich auf jeden Fall überzeugen. Es bleiben noch sooo viele Fragen offen, die ich echt gerne beantwortet hätte und jetzt bin ich mir überhaupt nicht sicher, ob ich mir den zweiten Teil, "Und ein ganzes Jahr", kaufen soll. Hier würden bestimmt ein paar meiner Fragen beantwortet werden, aber vielleicht auch nicht alle, vielleicht hört das Buch ja auch an genau derselben Stelle auf wie "Nur ein Tag"... Denn nein, es ist keine Fortsetzung im gewöhnlichen Sinne, sondern die Geschichte aus Willems Sicht. Und ich mag es eigentlich gar nicht, wenn das eigentlich gleiche Buch nochmal verkauft wird, nur aus der Sicht des Kerls, da hab ich mich bisher hartnäckig gegen gesträubt. Aber in dem Fall könnte ich es mir anders überlegen, denn "Nur ein Tag" hinterlässt ein ziemlich fettes Fragezeichen.

Mein Fazit


Ich bin ehrlich gesagt ziemlich froh, dass ich mich doch endlich durchgerungen habe, "Nur ein Tag" von Gayle Forman zu lesen. Das hab ich jetzt schon so lange vor mich hin geschoben, dabei ist es wirklich ein schönes Buch. Vielschichtige und vor allem authentische Charaktere, ein gut zu lesender Schreibstil und eine interessante Geschichte, die nur im Mittelteil etwas schwächelt. Besonders, dass das Ende unkonventionell ist, hat mir echt gut gefallen und der Roman bekommt von mir 4 von 5 Sternen :D

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