Mittwoch, 26. Oktober 2016

Eona - Drachentochter

Klappentext


Uralte Drachenmagie, tödliche Intrigen und eine außergewöhnliche Heldin

Über Jahre hat Eona sich auf de großen Tag vorbereitet. Sie hat hart trainiert, sich in der Schwertkunst geübt und mit ihrem Meister Drachenmagie studiert. Nun hofft sie, am Neujahrstag von den mächtigen Drachen erwählt zu werden. Doch Eona ist ein Mädchen, und das darf niemand erfahren. Denn Mädchen ist es strengstens verboten, in die Kreise der Drachenmagie vorzudringen. Wenn irgendjemand entdeckt, wer sie wirklich ist, ist ihr Tod gewiss. Am Kaiserhof werden kurz vor der Wahl des neuen Drachenauges verhängnisvolle Intrigen gesponnen, und Eona gerät mitten in einen tödlichen Kampf um den Thron. Es wird immer schwieriger, ihr Geheimnis zu bewahren. Und schon bald steht nicht nur Eonas Leben auf dem Spiel, denn ihr Gegner ist mächtiger, als sie ahnen konnte...

Meine Meinung


Zur Buchgestaltung
Es ist ja ein echter Trend, bei Büchern, die eine starke, weibliche Protagonistin haben, ein Mädchen aufs Cover zu setzen, Da stellt "Eona - Drachentochter" keine Ausnahme dar, aber ich finde den Roman trotzdem schön. Es sieht sehr dunkel aus und düster, das Gesicht des Mädchens wird durch ein Schwert in zwei Hälften getrennt (also nicht wirklich getrennt wie in durchgeschnitten :p), auf einer Gesichtshälfte ist ihre Haut bemalt oder was auch immer. Was es damit auf sich hat, weiß ich nicht, vielleicht macht es sich einfach gut, aber zum Inhalt des Buches passt es eher weniger... Dann noch die goldene Schrift unten - das passt schon gut zu der eher altertümlichen Geschichte.

Zum Buch
"Eona - Drachentochter" wurde mir vor vielen Jahren von einer Freundin geschenkt, die zu dem Zeitpunkt von mir so ziemlich nur wusste, dass ich verdammt gerne lese und Fantasy mein Lieblingsgenre ist. Ich hab von dem Buch zwar vorher noch nichts gehört, aber sie hat trotzdem mit dem Geschenk ziemlich ins Schwarze getroffen.
Ich muss nur sagen, der Klappentext beschreibt meiner Meinung nach den Inhalt nicht richtig. Die erste Hälfte ist okay: Eona wurde von ihrem Meister ausgesucht, ein Anwärter für das nächste Drachenauge zu werden, und das obwohl sie ein Mädchen ist und die nicht zugelassen sind. Doch da Eona über eine äußerst starke Drachensicht verfügt - also alle Drachen in der sogenannten Geisterwelt sehen kann - ging der Meister das Risiko trotzdem ein. Als Junge verkleidet nimmt sie also an der Zeremonie am Neujahrstag teil, an der der neue Lehrling für das Drachenauge auserwählt wird, und schafft es tatsächlich, dass die Drachen auf sie aufmerksam werden. Aber nicht so, wie es eigentlich geplant war, sondern der Spiegeldrache, der seit 500 Jahren als verschwunden gilt, taucht auf und erwählt sie. Also nichts da mit "kurz vor der Wahl gerät Eona in die Intrigen des Kaiserhofs". 
Sie gerät schon in diese Intrigen, aber erst nach der Zeremonie. Dadurch, dass der Spiegeldrache so lange verschwunden war, ist sie nun ein vollwertiges Drachenauge und auf ihr lasten viele Verantwortungen und Hoffnungen. Denn der Bruder des Kaisers möchte mit der Unterstützung einiger aus dem Drachenrat den Thron erobern und Eona soll den Kaiser dabei unterstützen, das zu verhindern, wobei sie immer darauf achten muss, ihre wahre Identität als Mädchen nicht preiszugeben, da sie sonst getötet werden würde.
Die Welt, in der die Geschichte spielt, ist unheimlich interessant. Sie ist angelehnt an das alte China beziehungsweise Japan, mit den Festen und Traditionen und auch die zwölf Drachen bauen darauf auf, denn jeder Drache verkörpert ein chinesisches Tierkreiszeichen, also Büffel, Tiger, Hase, Drache, Schlange, Pferd, Ziege, Affe, Hahn, Hund, Schwein und Ratte. Jedem Drachen ist eine Himmelsrichtung, eine Farbe und eine Eigenschaft zugeordnet und zu jedem Drachen gehört ein Drachenauge, das eine besondere Verbindung mit dem jeweiligen Drachen eingegangen ist und jetzt seine Kräfte nutzen kann. In jedem Jahr gibt es ein herrschendes Drachenauge, das dann doppelte Macht besitzt, je nachdem, welches Tierkreiszeichen für das Jahr gilt. In dem Jahr, in den die Geschichte spielt, ist das der Rattendrache und sein Drachenauge Lord Ido.
Über den Drachenauge stehen gesellschaftlich eigentlich nur der Kaiser und seine Familie. Frauen werden in dieser Welt als weniger wert als Männer betrachtet, deswegen ist ihnen auch vieles verboten, wie zum Beispiel das Lesen der "normalen" Schrift oder eben auch, Drachenauge zu werden.
Es gibt noch viiieeel viel mehr, was man über die Welt aus "Eona - Drachentochter" wissen kann, aber wenn ich das alles aufzähle, wird der Post ellenlang, deswegen lass ich das mal lieber :D
Die Welt, die es in dem Roman also zu entdecken gibt, ist also wirklich interessant, ich fand es richtig cool, mehr darüber zu erfahren und auf den ersten Seiten ist auch ein Tierkreis abgebildet, auf dem man alle Drachen sieht, und daneben nochmal alle Drachen plus Infos dazu und wer gerade Drachenauge ist aufgelistet. Es gibt auch noch eine Karte des Kaiserpalasts am Anfang des Buches, was auch ganz praktisch ist, denn der Großteil der Handlung spielt dort. Das ein oder andere Mal hab ich vorgeblättert, um mir die Infos oder die Karte anzuschauen.
Die Story an sich ist auch einigermaßen interessant. Am Anfang hat es mir zwar ein bisschen zu lange gedauert, es hat sich wirklich hingezogen, bis die Neujahrszeremonie endlich vorüber war, aber sobald sich die Handlung in den Kaiserpalast verlagert hat und man die kaiserliche Familie und den Drachenrat kennengelernt hat, nimmt die Handlung Fahrt auf. Vor allem zum Ende hin wurde es auch richtig spannend, da konnte ich das Buch dann kaum mehr aus der Hand legen.
An den Schreibstil musste ich mich erst einmal gewöhnen. Alison Goodman schreibt aus der Sicht von Eona, in der Ich-Perspektive, was ich schonmal richtig gut fand. Es gibt auch wirklich nur ihre Sicht, nichts Zusätzliches, so konnte man sich richtig gut in Eona hineinversetzen. Allerdings ist das Ganze in der Vergangenheit geschrieben und der Stil der Autorin ist eher beschreibend, was manchmal zu langatmigen Stellen geführt hat. Manchmal war es zwar ganz interessant zu erfahren, wie welcher Raum aussieht, aber an anderen Stellen einfach nur unnötig.
Dann die Charaktere: Es gibt so viele Charaktere in dem Buch, die mehr oder weniger wichtig sind. Eona ist natürlich die Hauptperson, um sie dreht sich alles. Ich finde auch, dass die Autorin sie zu einer wirklich interessanten Hauptperson gemacht hat. Sie ist ein Mädchen, das sich als Junge ausgeben muss, hat dazu noch eine schwerwiegende Verletzung, die sie in den Augen der Gesellschaft zum Krüppel macht, und weiß in ihrer neuen Rolle als Drachenauge sehr oft gar nicht, was sie machen soll. Sie wird in dieses Machtspiel am kaiserlichen Hof hineingeschleudert und so viele Hoffnungen liegen auf ihr, dabei hat sie ungeheuer Selbstzweifel, ob sie das eigentlich schaffen kann und möchte bloß nicht, dass ihr und vor allem den Menschen, die sie liebt, etwas zustößt. Am sympathischsten an ihr fand ich aber, dass sie nicht immer perfekt war, auch mal andere angeschrien hat, unfreundlich war, und ich trotzdem noch verstanden habe, warum sie das gerade macht.
Die weniger wichtigen Charaktere sind aber deswegen nicht weniger interessant. Da ist zum einen Eonas alter Meister, der sie ausgebildet hat und ihr zwar in ihrer neuen Position mit Rat zur Seite steht, ihr aber doch nicht immer helfen kann und ihr vor allem nicht immer alles erzählt. Eonas Dienstmagd Rilla, die ihr treu zur Seite steht. Lady Dela, die am kaiserlichen Hof lebt und Eona dabei hilft, sich in dieser neuen Gesellschaft einzufinden. Sie fand ich dabei auch vor allem deswegen interessant, weil sie ein Contraire ist, das heißt, ein Mann, der sich dazu entschieden hat als Frau zu leben. Dann Ryko, ein Eunuch, der zu Eonas Schutz abgestellt ist, und der Kaiser sowie sein Sohn, die beide auf ihre Hilfe im kommenden Krieg hoffen. 
Ach ja und dann gibt es natürlich noch Lord Ido, das Rattendrachenauge und einer der Gegenspieler des Kaisers. er war schon ziemlich unsympathisch mit seinen Wutausbrüchen und dem ehrgeizigen Verhalten...
Alles in allem kommen in "Eona - Drachentochter" also eine richtige Vielfalt an Charakteren auf einen zu.

Mein Fazit


Ein Schreibstil, der manchmal ein wenig zu ausführlich, ansonsten aber lesenswert ist, und Charaktere, die sehr vielfältig sind und ganz bestimmt nicht nur Schwarz und Weiß, das macht "Eona - Drachentochter" aus. Die Handlung ist am Anfang zwar etwas langatmig, aber mit jeder Seite wurde es spannender, bis ich das Buch am Ende kaum mehr aus den Händen legen konnte! Das Highlight des Romans war für mich aber die Geschichte, die dahintersteckt. Die Drachenmagie, diese alte Zivilisation, das alles ist soo toll rübergekommen in diesem Buch, dass ich ein richtiger Fan davon wurde :D Für das und den Rest eines wirklich gelungenen Buches gibt es von mir 4 von 5 Sternen.

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