Donnerstag, 23. März 2017

Cry Baby - Scharfe Schnitte

Klappentext


Babydoll steht auf ihrem Bein. Petticoat auf ihrer linken Hüfte. Böse findet sich ganz in der Nähe. Girl prangt über ihrem Herzen, schädlich ist in ihr Handgelenk geritzt. Camille Preakers Körper ist übersät mit Wörtern. Wörtern, die sie sich in die Haut geritzt hat. Das letzte Wort, das sie sich einritzte, hieß verschwinden. Danach stellte sie sich. Den Therapeuten, aber auch ihrer Vergangenheit. In ihrer alten Heimatstadt Wind Gap wurden zwei Teenager entführt und ermordet. Camille Preaker soll den Fall für ihre Zeitung vor Ort recherchieren. Dabei findet sie die Dämonen ihrer Kindheit. Und die verbreiten nicht nur Angst und Schrecken, sondern töten auch.

Meine Meinung


Zur Buchgestaltung
Das Cover ist wirklich sehr einfach gehalten bei "Cry Baby". Der Umschlag ist schwarz, der Titel neongrün und sticht einem sofort ins Auge. Das einzige sonst noch ist die Rasierklinge, die quasi gerade durch das Buch fährt, einen Schnitt hinterlässt und das Cover somit zum Inhalt passen lässt. Ansonsten findet man hier keinen Schnickschnack, nichts. Aber ich finde so ein einfaches Cover zu dem Buch eigentlich sehr passend, die Rasierklinge und die grüne Schrift haben schon einen leichten Psycho-Faktor, der den Inhalt widerspiegeln kann.

Zum Buch
Der Roman liegt jetzt schon eine ganze Weile bei mir herum und hat darauf gewartet, von mir gelesen zu werden. Ehrlich gesagt hab ich das immer ein bisschen hinausgezögert. Und noch ein bisschen und noch ein bisschen... Nicht unbedingt, weil ich dachte, das Buch wäre schlecht. Nur hab ich damals zwei Bücher von Gillian Flynn zusammen bestellt, "Dark Places" und eben "Cry Baby", nachdem ich "Gone Girl" von ihr verschlungen habe und wollte mir zuerst das Buch vornehmen, von dem ich dachte, es wäre weniger interessant. Der Klappentext verrät ja auch nicht wirklich viel, um was es letztendlich gehen wird, was ja gut ist, aber irgendwie war mein Interesse für "Cry Baby - Scharfe Schnitte" eben noch nicht geweckt...
Jetzt hab ich mich also (endlich) dazu durchringen können, das Buch anzufangen. Was wirklich nicht einfach war, vor allem auch, weil so viele leichte Romane bei mir herumliegen, die auch gelesen werden wollen und nicht so düstere Themen beinhalten. Und nach den ersten paar Seiten dachte ich mir dann auch, der Thriller würde mir nicht gefallen. Das ganze erste Drittel war ich noch nicht so richtig überzeugt. Mir war der Schreibstil zu harsch, die Story noch viel zu undurchsichtig. Ich könnte jetzt auch gar nicht sagen, was meine Meinung geändert hat, aber irgendwann wurde es dann doch spannender. Bis es am Ende richtig gut wurde, mich kaum losgelassen hat. Das Ende hält noch ein paar gute Plot Twists parat und auch wenn ich die endgültige Auflösung sehr krass und vielleicht für ein bisschen zu komplex halte, kann ich am Ende behaupten, dass es meiner Meinung nach ein gutes Buch ist.
In "Cry Baby" geht es viel um die Probleme, die Geheimnisse einer kleinen Stadt. Die Kulisse ist dabei auch richtig gut gewählt, wie ich finde. Eben diese kleine Stadt, im Hochsommer, sehr abgelegen und mit ihrer eigenen Dynamik. Der Tratsch, die verschiedenen Bewohner und wie Schicht um Schicht dieser kleinen Stadt abgeschält wird, bis man zur Wahrheit gelangt - wirklich genial gemacht. Genauso ein Thema ist aber auch die Familie der Protagonistin und die Probleme, die es hier gibt. Wie man im ersten Moment noch nicht weiß, wieso Camille von Wind Gap und ihrer Familie weg ist, aber nach und nach mehr erfährt.
Wie schon erwähnt, kam mir der Schreibstil der Autorin vor allem am Anfang sehr harsch vor. Kurze Sätze, harte Wortwahl - alles in allem sehr gewöhnungsbedürftig. Und irgendwie ganz anders, als ich es von "Gone Girl in Erinnerung hatte. Aber entweder habe ich mich einfach mit der Zeit an den Stil gewöhnt  oder er hat sich tatsächlich ein wenig geändert, auf jeden Fall empfand ich ihn später als nicht mehr so harsch. Die kurzen Sätze blieben, aber sie passen auch sehr gut zur Hauptperson, zu Camilles verschlossenem Charakter. Außerdem lässt er sich flüssig lesen. Vielleicht nicht unbedingt leicht, aber das Buch ist flüssig geschrieben. 😊
Auch mit den Charakteren muss man erst mal warm werden. Bei Camille liegt das daran, dass man erst spät mehr über sie erfährt, bei anderen, weil sie sich verstellen und man sie nicht unbedingt sofort durchschauen kann. Camille als Protagonistin ist auf jeden Fall sehr interessant. Nett und sympathisch würde ich sie nicht unbedingt nennen, aber es ist faszinierend, ihre Geschichte zu verfolgen. Als Reporterin hat sie es am Anfang überhaupt nicht leicht in Wind Gap. Die meisten Leute in dieser kleinen Stadt Wind Gap sind misstrauisch ihr gegenüber oder wollen diese Morde ganz einfach nicht in der Zeitung sehen und die Polizei vor Ort kooperiert auch nicht unbedingt mit ihr. Das ist aber natürlich nicht der einzige Grund, weshalb dieser Fall für Camille der Hölle gleichkommt. Denn sie ist in Wind Gap aufgewachsen und hat hier nicht unbedingt das schönste Leben geführt. Sie hat wirklich einiges durchgemacht, vieles davon erfährt man wirklich erst ziemlich spät im Verlauf der Handlung, doch trotzdem scheint sie ein guter Mensch zu sein. Nur dass sie eigentlich dauerblau ist, fand ich ein wenig seltsam... Das Interessante an ihr, dass sie sich schneidet beziehungsweise Wörter in ihre Haut ritzt, wird ja schon im Klappentext erwähnt. Die Wörter auf ihrem Körper spielen in Camilles Leben auch eine große Rolle, das merkt man sehr. Ich fand es interessant, wann welche Worte erwähnt wurden im Buch, wie sie miteinander und mit der Handlung in Verbindung stehen.
Zu den restlichen Charakteren will ich gar nicht viel sagen, weil ich dass man hier leicht zu viel sagen kann. Die meisten sind seltsam, haben irgendwelche Geheimnisse, können auf jeden Fall in keine Schubladen gesteckt werden. Nur zu Camilles Mutter Adora möchte ich etwas sagen. Sie fand ich von Anfang an etwas gruselig. Vielleicht, weil erwähnt wurde, dass sie sich bei Stress die Wimpern auszupft und dann ganz rosa Augen hat? Ja, daran wird's wohl liegen, das war mir irgendwie unheimlich... 😶
Das Ende finde ich insgesamt ganz gut gelungen. Es ist an sich schon abgeschlossen, lässt dem Leser aber Freiraum, sich auszudenken, was wohl danach geschehen wird.

Mein Fazit


Der Schreibstil, die Charaktere, der gesamte Fall in "Cry Baby - Scharfe Schnitte" ist unheimlich interessant. Nur braucht das Buch eine ganze Weile, um seine fesselnde Wirkung zu entfalten, so kam es mir am Anfang noch so vor, als könne ich den Thriller gar nicht so gut finden. es ist krass, welches Netz die Autorin hier in ihrem Erstlingswerk gesponnen hat, manchmal dachte ich, ich lese nicht richtig! Ich musste auch dauernd über das Buch und was darin passiert, nachdenken, es hat also eine Wirkung auf mich hinterlassen. Von mir gibt es 4 von 5 Sternen dafür.
Da mich der Roman vor allem zum Ende hin und wenn ich es in der Nacht gelesen habe, ein bisschen gegruselt hat, konnte ich damit auch wieder eine Aufgabe der ABC Lesechallenge abhaken.

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